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Presse / Erfolgreich führen als "High-Performance-Manager"

Trainingsbericht einer Teilnehmerin ( Frau Gundula Englisch)
Externes Management-Training am 15.10.2004 in Miesbach.

„Sie leiten den Bau, Sie das Büro und Sie...“, der Boss zeigt auf mich „...Sie machen die Vertriebsleitung!“ Ausgerechnet ich – die vom Vertrieb leiten etwa so viel versteht, wie Zitronenfalter vom Zitronen falten. Aber egal – erstens sind solche Fehlbesetzungen ‚Business as usual‘. Und zweitens sollen wir ja lernen, Veränderungen freudig anzunehmen und elegant zu meistern.

„Erfolgreich führen als High-Performance-Manager“, so heißt das In- und Outdoortraining, zu dem der Management- und Verkaufstrainer Walter Kapitel ins voralpine Miesbach geladen hat. Die Teilnehmer sollen am eigenen Leibe erfahren, dass „Firma und Mitarbeiter künftig im permanenten Ausnahmezustand leben.“ Es geht also um den ganz normalen Wahnsinn des Geschäftsalltags, ums nackte Überleben.
Die Aufgabe: Vierzehn einander völlig fremde Menschen rotten sich im Zeitraffer als Firma zusammen, die einem zickigen Key Account einen Millionenauftrag über 500 Energiesparhäuser abringen soll. Das ganze in schlappen zwei Stunden, inklusive Plänezeichnen und Musterhausbau. Zeit, so Kapitel, sei schließlich das Hauptproblem für Manager. Wie wahr!

Zwar ist der Chef schnell benannt (Hut ab - ein Freiwilliger!!), aber die übrige Arbeitsteilung macht Probleme. Obwohl die meisten Teilnehmer in ihrer echten Berufsposition auf –leiter oder –führer hören, wollen sie unbedingt zum Bauarbeitertrupp. Das mag an der Herbstsonne liegen, an der Baustelle auf der idyllischen Stadlbergalm oder am Kind im Manne. Sei’s drum – erst nach einer guten halben Stunde kommt Bewegung in den Laden, sprich: blinder Aktionismus.
Der Bautrupp spurtet planlos auf die Alm, der Chef kopflos hinterher und der Rest bleibt ratlos zurück. Außer dem frisch designierten Büroleiter – und der geht unter Aufbietung seiner ganzen Führungskompetenz erst mal eine rauchen. Was hatte Walter Kapitel uns eben noch gelehrt: „High-Performance-Manager tragen Selbstverantwortung – für das, was sie tun und das, was sie lassen.“ Also ab zum Kunden, sage ich mir, da gehören Vertriebsleiter doch hin – oder?

Ich kurve den Weg hoch zum Berggasthof, dem Firmensitz des Key Accounts, und trete mit Gewinnerlächeln ein, im Hinterkopf die Worte des Trainers, das wir aus trögen Abnehmern begeisterte Kunden machen sollen.
Mrs. Key Account grüßt eisig - dann hebt sie in gestochenem Oxford-Englisch zum Vernichtungsschlag an: Wo die Baupläne blieben und der neue Kostenvoranschlag, warum der Chef nicht zu erreichen sei und ob wir wissen, dass der Wettbewerber viel schneller arbeite.Holt mich hier raus, ich bin kein Verkaufsleiter, schießt mir durch den Kopf und ich schleiche ermattet davon.
Keine Stunde mehr bis zur Deadline und der Auftrag in weiter Ferne. Wie soll’s auch funktionieren, wenn die Zeit so knapp ist, die Kollegen einen hängen lassen und der Chef sowieso nix im Griff hat?! Das Fleckvieh auf der Weide glotzt mitleidig und ignorant.

Aber wie war das noch: „High-Performance-Manager treffen mutige Entscheidungen“. Also spurte ich zurück und überreiche der nervigen Mrs. Key Account einen Traubenzucker, mit dem Versprechen, alle Energien unserer Firma für sie zu mobilisieren. Mein Hirn ist also doch noch zur Vertriebsdenke konvertiert, aber dummerweise ist die Zeit bis auf die letzte Viertel Stunde abgelaufen. Da kommt der Anruf vom verschollenen Chef: Meeting mit dem Kunden, in fünf Minuten auf der Baustelle. Also Zähne zusammenbeißen und auf zum großen Showdown. „High-Performance-Manager sehen nicht nur die Probleme, sondern vor allem die Chancen“. sagt Walter Kapitel - und recht hat er gehabt: Die Kerls vom Bautrupp haben in Eigenregie ein Musterhaus zusammen genagelt – ohne Koordination, Kommunikation und Skrupel. Genauso haben es die Bauzeichner mit ihrem Entwurf gemacht. Und der Büroleiter mit den Preisen für die Technik. Und der Chef hat sich dezent aus allem rausgehalten.

„Effizient und motivierend führen“, auch das zeichnet High-Performance-Manager aus. Ein dreifach Hoch auf die Selbstorganisation! Das Spiel ist aus. Gewonnen haben wir natürlich auch – an Erfahrung, dass es für uns noch ein weiter Weg ist zum High-Performance-Manager. Genügend positive Impulse dafür haben wir erhalten.