Presse / Süddeutsche Zeitung
Laßt die Windhunde los!
Nicht Führungskräfte - neue Manager braucht das Land.
Jahrelang wurde reengineert und leangemanagt, Führungskräfte und Mitarbeiter auf Visionen und Kaizen eingeschworen. Nur in Richtung Innovation hat sich wenig bewegt. Schuld daran ist Deutschlands Führungsparanoia - das konservative Rollenspiel zwischen Führern und Mitarbeitern.Führer sind der größe Störfaktor in der neuen Wirtschaft. Allein der Begriff "Führungskraft" ist ein Relikt aus der Sozialromantik der 80er Jahre. Man sollte den Begriff schnellstens streichen und dafür den des Managers von seiner Beliebigkeit reinwaschen.
Was Deutschland braucht, sind Manager eines neuen Typs. Einer, der Prozesse managt und nicht babysittet. Dessen Aufgabe die Mikro- und Makropolitik ist, die richtigen Menschen auf die richtige Aufgabe ansetzt und ihnen dabei schnellstens alle Steine aus dem Weg räumt. Der sich sein Leistungsteam selber zusammenstellt, auch auf Zeit. Und für den Loyalität nicht alles, Innovation, Wachstum und Profit aber sehr viel bedeuten.
Denn: Manager wie Mitarbeiter werden sich künftig den marktwirtschaftlichen Regeln unterwerfen müssen. Jeder ist dann sein eigener Agent und "Unternehmer". Nichts anderes steht hinter der Forderung nach einer Liberalisierung der Gesellschaft. Da fehlt es noch an Selbstbewußtsein, an Methoden- und Sozialkompetenz. Vor allem aber an geistiger Frische, um die schnellen Veränderungsprozesse, die permanenten Brüche und Übergänge in Wirtschaft und Gesellschaft meistern zu können. Das erfordert neben der Organisationszäsur auch eine neue Weiterbildungs-Architektur, eine, die auf Handlung und Erlebnis zielt, statt auf abstrakte Modelle.
Eine, die die liberale Arbeitswelt schafft. Anderenfalls wird Deutschland weiter im globalen Wettbewerb zurückfallen. Im konservativen Unternehmen, wie täglich zu sehen, regiert die Veränderungsrhetorik. Im liberalen die Handlungsfähigkeit. Dort schwadroniert man nicht über Kundenorientierung, sondern denkt und handelt chancenorientiert. Und dort ist Mitarbeiterzufriedenheit Begeisterung. Was heißt denn Zufriedenheit? Bescheiden, anspruchslos, zahnlos. Zufrieden sind Dackel. Windhunde braucht das Land.
Während der Mitarbeiter in die Evolutionskette zurückkehrt, die auf Aktivität und Abenteuer angelegt ist, wird der Platz des Managers künftig der eines Liberalen sein: der zwischen den Stühlen.



